Matthias Schweizer, Stolberg

www.freieintuition.de

Die Negation des Bösen

Kennen Sie das auch? Ein Mensch hat Probleme im Leben. Es ist ihm nicht möglich, glücklich zu sein und er fühlt sich im Leben unerfüllt. Dann belegt er einige esoterische Kurse, wird vielleicht in ein Healing-System eingeweiht und lernt auch noch zu meditieren. Durch seine Bemühungen ändert sich nach und nach sein Wesen. Angespornt durch interessante Bekanntschaften und erste Erfolge beginnt eine intensive Suche nach dem göttlichen Licht. Um diesem Licht zu entsprechen und ein neues Ideal zu verkörpern, ändert dieser Mensch auch aktiv sein Verhalten: er handelt liebevoll und feinfühlig, so wie noch nie zuvor und möchte darüber hinaus auch anderen helfen. Für ihn beginnt ein neuer Weg, der sehr schön ist und viel Erfüllung und Gnade verspricht. Der Mensch wird bereichert durch die neuen Eindrücke, er gewinnt ein schöneres Lebensgefühl und manche Sorge löst sich auf.

Alte ungeliebte Muster

Aber nicht alle seine Sorgen, jeder Groll und sämtliche Ängste lösen sich auf. Manches Negative steckt einfach zu tief. Dabei bemüht er sich redlich um ein reineres Wesen. Er sehnt sich so sehr nach dem Licht, dass er seine negativen Emotionen und schlechten Gedanken hinter sich lassen will. Er möchte davon geheilt und befreit sein, aber dennoch spürt er sie noch deutlich. Deshalb meditiert er weiter, arbeitet an sich und bemüht sich um göttliche Nähe. Die Wirkung seiner Bemühungen ist immer zeitlich begrenzt. Deshalb wird z.B. die Meditation zu einer täglichen Arbeit für ihn. Manchmal kommen auch unerwünschte Muster durch, wenn er mit seinem „alten Leben“ konfrontiert wird. Dieses „alte Leben“ ist noch sehr präsent: der leistungsorientierte Arbeitsalltag, die unterkühlte Familie, die alten Bekannten und Freunde, die seine neue Rolle und seine Entwicklungssprünge nicht anerkennen wollen – dieses „alte Leben“ ist scheinbar nicht mit ihm gewachsen. Also meditiert und arbeitet er weiter. Und der Anspruch, den er an sich setzt, wächst im gleichen Maße. Mit der Zeit entsteht eine Kluft zwischen seinen alten Mustern (den nicht aufgelösten Emotionen) und dem Ideal, an dem er sich misst.
Vielleicht findet sich der ein oder andere Leser in diesem Beispiel zumindest teilweise wieder. Ich habe das so ähnlich an mir selbst erlebt und öfters in sehr drastischer Form bei anderen Menschen entdeckt. Die Messlatte für die eigene Entwicklung wird plötzlich sehr hoch angesetzt. Und wenn es nicht schnell genug geht mit den Fortschritten, wird noch ein Kurs gebucht und noch ein Erleuchteter um eine Audienz gebeten. Im schlimmsten Fall wird nicht mehr die Arbeit an sich selbst, sondern die direkte Bekehrung des persönlichen Umfelds gepflegt. Der Mensch gibt sich dadurch eine spirituelle Autorität, die nicht bestätigt werden kann, da er seine Probleme nicht erfolgreich bearbeiten konnte.
Es mag sein, dass es einige Rezepte gibt, die einer ungünstigen spirituellen Entwicklung entgegenwirken, aber ich habe auf meiner Reise bisher nur ein wirksames Rezept kennengelernt: die unmittelbare Konfrontation mit den unerwünschten negativen Aspekten.

Exorzismus und Emotion

Vergleichen wir die Auflösung einer negativen Emotion mit einem Exorzismus. Jeder Exorzismus, im ursprünglichen Sinne, hat dieselbe Vorgehensweise. Die direkte Ansprache und die direkte Konfrontation des Bösen. Ich will an dieser Stelle nicht darüber philosophieren, ob es das Böse gibt und Exorzismen berechtigt sind, auch wenn ich dazu eine konkrete Meinung habe. Ich möchte lediglich das Bild dazu benutzen, die angesprochene Problematik zu klären. Der (katholische) Exorzist versucht, im Namen Jesu, den Dämon auszutreiben. Er setzt sich nicht nur neben den Besessenen und bittet um göttliche Nähe. Nein, er spricht den Dämon direkt an, auf dass er sich zu erkennen gibt. Auf eine ähnliche Weise verfahre ich mit meinen negativen Emotionen. Die intensive Beschäftigung mit dem Wesen von Emotionen hat mich zu der Auffassung gebracht, dass eine negative Emotion eine eigene Intelligenz aufweist. Sie ist wie ein Wesen mit einem Ziel, das sie verfolgt. Dieses Ziel bedeutet Wachstum und Überleben. Eine negative Emotion ringt deshalb um Aufmerksamkeit und Vorherrschaft. Deshalb personifiziere ich Emotionen für meine Arbeit. Wenn ich eine Emotion auflösen will, löse ich sie für diese Zeitdauer von meiner Persönlichkeit, was den Vorgang erleichtert. Emotionen verschleiern sich, denn sie ertragen den auf sie gerichteten Fokus des Bewusstseins nicht. Sie haben es gerne, wenn wir uns lieber ablenken. Das Bewusstsein sollte in Liebe verbunden sein, um nicht von der negativen Emotion ergriffen zu werden. Eine Emotion der Angst verschwindet zum Beispiel, sobald sie energisch fokussiert wird und das Bewusstsein dabei nicht von der Angst, sondern von Liebe geprägt ist. Man muss sie dann willentlich packen, woraufhin sie ihre Natur preisgibt. Dafür nutze ich eine einige Techniken, welche den Vorgang erleichtern.

Gewinn an Energie

Es lassen sich dabei - sowohl bei mir als auch bei den Menschen, die das ausprobieren - immer wieder die gleichen Phänomene beobachten. Von einer fokussierten Emotion löst sich Gedankenenergie ab. Es wird dabei in rasend schnellen Bilderfolgen deutlich, wann bzw. zu welchen Gelegenheiten diese Emotion Macht über den Menschen gewinnen konnte. Die Ablösung gedanklicher Energie hat dabei einen doppelten Nutzen: 1. (für den Menschen) die Bewusstwerdung ihrer Entstehung und 2. (für die Emotion) den Verlust an Einfluss. Die negative Emotion gibt durch das mehrmalige Wiederholen dieses Vorgangs sehr viel Energie ab, welche für die Entwicklung frei wird. Wir werden somit immer mehr in der Lage versetzt, unser Bewusstsein zu bündeln und unser Leben furchtloser zu gestalten.

Bewusstseinsarbeit ist schwierig

Das ist keine einfache Arbeit. Es ist in der Tat schöner und leichter, im göttlichen Licht zu baden. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass es unsere Aufgabe ist, unseren negativen Seiten zu begegnen. Machen wir das nicht aus freien Stücken und stellen wir uns selbst nicht dieser Herausforderung, dann bekommen wir die Notwendigkeit dieser Arbeit von Außen gespiegelt. Und das ist meist noch schmerzhafter. Es gibt sicherlich auch Prämissen, welche diese Vorgehensweise erschweren. Zum einen lassen sich manche Emotionen nicht leicht aufspüren. Um an den Kern eines Problems zu gelangen, ist es manchmal notwendig, einen Wall aus miteinander vernetzten Gefühlen zu durchdringen, um die Ur-Emotion, welche dahinter steckt, zu erkennen. Dafür ist eine intuitive Begabung bzw. Ausbildung sehr hilfreich. Ein weiteres Problem liegt in dem „Gewicht“ einer Emotion. Oft beherrschen Emotionen einen Menschen bereits sehr lange. Ein Psychologe würde in dem Fall von einer psychologischen Erkrankung sprechen, die sich in einer Depression, Schizophrenie o.ä. äußert. Dahinter stecken immer negative Emotionen, die zu mächtig wurden. Der betroffene Mensch kann diese Emotionen dann nicht alleine lösen, sondern benötigt eine fachkundige Hilfe. Der Versuch, sich alleine derart tief verwurzelten Emotionen zu stellen, ist zum Scheitern verurteilt. Eine mächtige Emotion würde jede Bemühung in dieser Richtung unterbinden. Aber das sind eher die Ausnahmefälle. Dennoch erfordert es immer Mut und ein energisches (inneres) Auftreten, um sich seinen negativen Gefühlen zu stellen und ihnen ins (manchmal hässliche) Gesicht zu blicken.

Weichen sie ihren schlechten Eigenschaften niemals aus. Stehen sie lieber dazu. Lassen sich die dahinter verborgenen Emotionen nicht so leicht auflösen, dann dürfen sie zumindest nicht verneint werden. Die Negation schlechter Eigenschaften bzw. negativer Emotionen trägt dazu bei, selbige zu verstärken. Jedes Wegschauen befruchtet eine negative Emotion. Ich nutze als Motivationshilfe für diese Arbeit immer ein bestimmtes Bild. Mein emotionaler Körper ist für mich wie ein Garten, den ich aus eigener Kraft gestalte. Ich pflege in dem (emotionalen) Garten bestimmte, erwünschte Pflanzen (wie Liebe, Freude, Demut...) und kürze andere Pflanzen, welche nur das Licht rauben. Mitsamt Wurzel lassen sich negative Emotionen übrigens nicht entfernen. Auch sie bilden wesentliche Erfahrungen unseres Menschsein, die in ihrer Anlage bestehen bleiben sollen.

Über Matthias Schweizer

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Matthias Schweizer

Matthias Schweizer war seit frühester Kindheit von den Fragen um Leben, Tod und Gott fasziniert. Durch spirituelle Erlebnisse in der Jugend geweckt, begann während seines Studiums eine ungewöhnlich brennende Suche nach Gottesnähe und Wahrheit. Diese Suche führte dazu, dass er seit über 15 Jahren verschiedene Meditationstechniken praktiziert, lehrt und sich über 10 Jahre der Energiearbeit widmete. Hinzu kam eine lebendige Beschäftigung mit den hermetischen Lehren in Theorie und (vor allem) viel Praxis. Dennoch unzufrieden mit seiner Entwicklung und damit auch dem Lebensweg, begab er sich schließlich intensiv auf eine innere Suche. Die Suche war abseits der Wege, die er bis dahin beschritten hatte und mündete in dem vorliegenden Lehrgebäude.

 

Matthias Schweizer ist der Autor von „Die Reise in das Seelen-Ich. Band 1: Übungen für die Intuition".

Broschierte Ausgabe, 228 Seiten
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