Floco Tausin

www.mouches-volantes.com

Die Leuchtkugel am Ende des Tunnels

Mouches volantes und Nahtoderfahrung

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Von Floco Tausin

Menschen, die klinisch tot waren und wiederbelebt werden konnten, berichten oft von aussergewöhnlichen und tiefgreifenden Erfahrungen im Zustand der Todesnähe – Erfahrungen, die wissenschaftliches und religiöses Denken gleichermassen herausfordern. Einige visuelle Elemente von Nahtoderfahrungen weisen Ähnlichkeiten mit der alltäglichen Wahrnehmung von Mouches volantes auf. Die These dieses Artikels ist es, dass wir in den Mouches volantes und anderen entoptischen Erscheinungen Bewusstseinsphänomene haben, deren Existenz sich in Nahtodzuständen – und möglicherweise über den Tod hinaus – in intensiverer Form fortsetzt.

 

Was ist eine Nahtoderfahrung?

Erzählungen von Menschen in Todesnähe sind uns aus vielen Kulturen und Zeiten übermittelt. Für die Menschen im Westen bezeugte das Phänomen jahrhundertelang die Existenz von Himmel und Hölle. Seit dem Ende des 19. Jh. beschäftigen sich Wissenschaftler mit den mystischen und lebensverändernden Nahtoderfahrungen. Doch erst in der zweiten Hälfte des 20. Jh. stiess das Phänomen auf ein breiteres wissenschaftliches und öffentliches Interesse. Nach Vorarbeiten von Forscherinnen und Forschern wie Elisabeth Kübler-Ross, Russel Noyes, und Robert Crookall (vgl. Corazza 2008) veröffentlichte der Philosoph und Psychiater Raymond Moody sein populäres Buch Life after life (dt. „Leben nach dem Tod“, 1975). Dieses wurde zum Bestseller und brachte die in der modernen Industriegesellschaften stark tabuisierten Themen Tod und Sterben ins öffentliche Gespräch. Menschen aus allen sozialen Schichten sahen sich darin bestärkt, ihre Begegnungen mit dem Tod mitzuteilen – eine Entwicklung, die in den letzten 30 Jahren zu einer steten Zunahme von Nahtodberichten führte. Gemäss Erhebungen aus den 1990er Jahren verfügen mehr als 13 Mio. US-Amerikaner und 3,3 Mio. Deutsche über Nahtoderfahrungen (Knoblauch 1999).

Oft handelt es sich dabei um Unfall- oder Herzstillstandpatienten, deren Herzschlag und Atmung aussetzten, und die reanimiert werden konnten. Einige dieser Patienten (die Zahlen variieren in unterschiedlichen Studien zwischen 18% und 60% aller Befragten, vgl. Schick/Vaughn 2010) erlebten im Zustand ihres „klinischen Todes“ sensorische und kognitive Eindrücke, die Moody als „Nahtoderfahrung“ (near-death experience, NDE; im folgenden „NTE“) bezeichnete. Der Begriff wird in der Literatur zuweilen gegenüber den „Totenbettvisionen“ (deathbed visions) abgegrenzt, welche von kranken und altersschwachen Menschen in einem längeren Prozess des Hin- und Herwechselns zwischen Wach- und Dämmerzustand erfahren werden. Moody stellte Ähnlichkeiten in den Berichten von NTE fest und arbeitete eine idealtypische Beschreibung mit mehreren Elementen heraus:

„Ein Mensch liegt im Sterben. Während seine körperliche Bedrängnis sich ihrem Höhepunkt nähert, hört er, wie der Arzt ihn für tot erklärt. Mit einemmal nimmt er ein unangenehmes Geräusch wahr, ein durchdringendes Läuten oder Brummen, und zugleich hat er das Gefühl, daß er sich sehr rasch durch einen langen, dunklen Tunnel bewegt. Danach befindet er sich plötzlich außerhalb seines Körpers, jedoch in derselben Umgebung wie zuvor. Als ob er ein Beobachter wäre, blickt er nun aus einiger Entfernung auf seinen eigenen Körper. In seinen Gefühlen zutiefst aufgewühlt, wohnt er von diesem seltsamen Beobachtungsposten aus den Wiederbelebungsversuchen bei. Nach einiger Zeit fängt er sich und beginnt, sich immer mehr an seinen merkwürdigen Zustand zu gewöhnen. Wie er entdeckt, besitzt er noch immer einen «Körper», der sich jedoch sowohl seiner Beschaffenheit als auch seinen Fähigkeiten nach wesentlich von dem physischen Körper, den er zurückgelassen hat, unterscheidet. Bald kommt es zu neuen Ereignissen. Andere Wesen nähern sich dem Sterbenden, um ihn zu begrüßen und ihm zu helfen. Er erblickt die Geistwesen bereits verstorbener Verwandter und Freunde, und ein Liebe und Wärme ausstrahlendes Wesen, wie er es noch nie gesehen hat, ein Lichtwesen, erscheint vor ihm. Dieses Wesen richtet – ohne Worte zu gebrauchen – eine Frage an ihn, die ihn dazu bewegen soll, sein Leben als Ganzes zu bewerten. Es hilft ihm dabei, indem es das Panorama der wichtigsten Stationen seines Lebens in einer blitzschnellen Rückschau an ihm vorüberziehen läßt. Einmal scheint es dem Sterbenden, als ob er sich einer Art Schranke oder Grenze nähere, die offenbar die Scheidelinie zwischen dem irdischen und dem folgenden Leben darstellt. Doch wird ihm klar, daß er zur Erde zurückkehren muß, da der Zeitpunkt seines Todes noch nicht gekommen ist. Er sträubt sich dagegen, denn seine Erfahrungen mit dem jenseitigen Leben haben ihn so sehr gefangengenommen, daß er nun nicht mehr umkehren möchte. Er ist von überwältigenden Gefühlen der Freude, der Liebe und des Friedens erfüllt. Trotz seines inneren Widerstandes – und ohne zu wissen, wie – vereinigt er sich dennoch wieder mit seinem physischen Körper und lebt weiter.“ (Moody 1975). Andere Forscher erweiterten oder kürzten Moodys Katalog (vgl. Knoblauch 1999), was zeigt, dass NTE sowohl Ähnlichkeiten wie auch Unterschiede bezüglich Inhalt und Reihenfolge aufweisen.

Die Betreffenden erleben NTE als sehr real und tiefgreifend. Nicht selten verändern sie im Anschluss an eine NTE ihre Ansichten, Glaubensvorstellungen und Werte in Bezug auf Umwelt, Mitmenschen, Tod und Jenseits und bemühen sich um eine liebevollere und sozialere Lebensweise als vorher – in einzelnen Fällen inspirierten NTE die Gründung religiöser oder spiritueller Bewegungen. Bei einigen Menschen lösen NTE auch erweiterte intellektuelle oder psychische Fähigkeiten oder auch spontane Heilung von Krankheiten aus. Oft übertragen sich die positiven Effekte auch auf Nahestehende. Weniger häufig wird von negativen Nacheffekten berichtet, z.B. die Enttäuschung, nach einer positiven NTE wieder mit alltäglichen Schwierigkeiten konfrontiert zu sein, oder der Frust, die Erfahrung nicht verständlich kommunizieren zu können, bei negativen NTE auch die erhöhte Angst vor dem Sterben (Corazza 2008; Greyson 2006; Horacek 1997).

Der Begriff „Nahtod“ ist insofern unklar, als mehrere Elemente nicht nur in NTE, sondern auch bei Menschen in anderen veränderten Bewusstseinszuständen vorkommen. Ausgelöst können sie z.B. durch extreme Müdigkeit sein, durch schamanische oder meditative Praktiken, schnelle Beschleunigung in Simulatoren für Kampfpiloten (G-LOC-Syndrom), längere soziale Isolation und Sinnesdeprivation, Träume, bewusstseinsverändernde Substanzen (Studien gibt es v.a. mit Ketamin und Dimethyltryptamin, DMT). Die Gleichheit oder Unterschiedlichkeit dieser Phänomene und der NTE-Elemente wird von den Autoren je nach Ausrichtung stärker oder weniger stark betont, angenommen oder abgelehnt: Wo einige von Nahtodzuständen auch in Nicht-Todesnähe Situationen sprechen, interpretieren andere NTE als mystische oder biologisch determinierte Erfahrungen, die sich von anderen nicht unterscheiden (Corazza 2008; Strassman 2006; Grof/Halifax 1977; Moody 1975).

Erklärungsansätze

Diesseits der subjektiven Erfahrung versuchen Forscher also, das Phänomen zu erklären oder seine Bedeutung für Mensch, Gesellschaft und das Wissen über die letzten Dinge zu ergründen. Heute kursieren mehrere Hypothesen, keine konnte bisher abschliessend bewiesen oder verworfen werden:

1) Die biologische bzw. neurologische Theorie
Nach dieser im Materialismus gründenden Theorie gibt es keinen Geist oder Seele, die ausserhalb des Körpers Erfahrungen machen könnte. Die Elemente von NTE werden allesamt durch physiologische Prozesse im Augenblick des körperlichen Ablebens erklärt: Sauerstoffmangel und der Kollaps von Hemmungsmechanismen im Hirn stimulieren die neuronale Aktivität des visuellen Systems, was zur Wahrnehmung von Tunnel- und Lichterscheinungen führt; Stimulierung des limbischen Systems und die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Endorphinen im Hirn seien für die Erfahrung von Schmerzlosigkeit, Frieden, Liebe und Euphorie zuständig; ausserkörperliche Erfahrungen (fortan AKE), Lebensrückschau und Wahrnehmungen jenseitiger Landschaften sind neurologische Freisetzungen von Erinnerungen und Halluzinationen bzw. Depersonalisationsprozesse durch die Stimulation des Schläfenlappens (lobus temporalis). Skeptiker betonen zudem, dass NTE nichts über den Tod und mögliche Existenzformen danach aussagen, denn der zeitweilige „klinische Tod“ ist nicht mit dem endgültigen Tod (irreversibler Gewebetod) gleichzusetzen, die Betreffenden sind letztlich nicht gestorben. Die biologische Theorie geht indes gut mit der skeptischen psychologischen einher, dass NTE dem Wunsch des Menschen nach Unsterblichkeit entsprechen. (vgl. n/a 2009; Blackmore 1993, 2005; Blackmore/Troscianko 1988).

2) Die kulturhistorische Erklärung
Bei der Auseinandersetzung mit NTE schwingen oft universalistische Annahmen mit: Dass alle NTE gleiche oder ähnliche Elemente in gleicher oder ähnlicher Reihenfolge beinhalten: Während Biologen damit auf die universelle Funktionsweise des Hirns aufmerksam machen (Blackmore 1993, 2005), versuchen religiöse oder spirituell Motivierte „ihre“ Version des Jenseits als objektive Grösse über alle kulturellen Grenzen hinweg zu behaupten. Nach den Universalisten sollten sich also alle bekannten Berichte und Literatur über NTE auf einige essentielle Grundzüge herunterbrechen lassen: die ausserkörperliche Erfahrung des Soldaten Er in Platos „Politeia“, die Anleitungen im Tibetischen Totenbuch, die Jenseitsbeschreibungen des Stockholmer Naturwissenschaftler Emanuel Swedenborg im 17. Jh. (vgl. Woofenden 2009), indianische und melanesische Jenseitsreisen, bis hin zur Masse an westlichen Nahtodberichten im dritten Jahrtausend.

Kulturwissenschaftler wundern sich indes nicht, dass es unter Nahtod-Forschern bisher keine Einigkeit darüber gibt, welche Elemente als universell anzusehen sind. Denn die Inhalte der Berichte variieren teils deutlich, je nach Zeit und Ort. Bestimmte, für moderne westliche NTE typische Elemente wie AKE, Tunnelerfahrung und Lebensrückschau kommen in früheren NTE oder in zeitgenössischen NTE anderer Kulturen nicht oder nur marginal vor (Knoblauch 1999; Kellehear 1996). Andererseits stellen Kulturwissenschaftler durchaus auch Gemeinsamkeiten fest, beispielsweise in den Jenseitsvorstellungen antiker Kulturen, die viele der modernen NTE Elemente aufweisen – und von NTE inspiriert sein könnten (Shushan 2009). Früher wie heute scheint das Treffen verstorbener Verwandter oder übernatürlicher Wesen in anderen Daseinsbereichen sehr verbreitet zu sein. Diese jenseitigen Welten weisen grosse Ähnlichkeiten mit der Architektur, Mode und Sozialstruktur der bekannten Umgebung der Betreffenden auf; oft treten auch religiöse Wesen in Erscheinung, die in der betreffenden Kultur zu finden sind. Dies spricht dafür, dass NTE und Jenseitsvorstellungen seit jeher von kulturellen Faktoren durchdrungen sind. Für die westliche Moderne bedeutet dies, dass sich NTE-Berichte, Sterbeforschung und die postmoderne individualisierte Religiosität in einem Geflecht gegenseitiger Beeinflussung befinden (Shushan 2009; Corazza 2008; Athappilly et al. 2006; Knoblauch 1999; Kellehear 1996).

3) Die Überlebenstheorie
Biologisch-reduktionistische wie auch kulturhistorische Ansätze beantworten die Frage der Weiterexistenz des Bewusstseins nach dem körperlichen Ableben negativ oder gar nicht. Für die meisten Menschen mit NTE hingegen gibt es in dieser Hinsicht keinen Zweifel: Sie haben unmittelbar erlebt, dass der Tod nicht das Ende ihrer Existenz ist. Auch viele Forscher wie Elisabeth Kübler-Ross, Raymond Moody, Kenneth Ring und andere sehen in Nahtod-Elementen wie den erweiterten mentalen Prozessen, AKE und paranormalen Wahrnehmungen einen starken Hinweis, wenn nicht Beweis, für die Existenz des menschlichen Bewusstseins (Geist, Seele) ausserhalb des Körpers (vgl. Williams Cook et al. 1998).

Die Überlebensthese ist nicht an eine spezifische religiöse oder spirituelle Tradition gebunden. Die Elemente der NTE werden oft – entgegen den Erwartungen der Betreffenden – als losgelöst vom eigenen religiösen Milieu empfunden (Moody 1975, vgl. Corazza 2008). Andererseits interpretieren die Betreffenden ihre Erfahrung häufig mit dem Vokabular der eigenen Religion. Für gläubige Christen beispielsweise beweisen NTE die Existenz von Himmel und Hölle, oder sie sehen in den positiv erlebten Lichterfahrungen Gott, Jesus oder – wie einige Kritiker es tun – das Werk des „Lichtbringers“ (Lucifer). (Rawlings 1987; vgl. Knoblauch 1999).
Diesseits der subjektiven Erfahrung versuchen Forscher also, das Phänomen zu erklären oder seine Bedeutung für Mensch, Gesellschaft und das Wissen über die letzten Dinge zu ergründen. Heute kursieren mehrere Hypothesen, keine konnte bisher abschliessend bewiesen oder verworfen werden:

1) Die biologische bzw. neurologische Theorie
Nach dieser im Materialismus gründenden Theorie gibt es keinen Geist oder Seele, die ausserhalb des Körpers Erfahrungen machen könnte. Die Elemente von NTE werden allesamt durch physiologische Prozesse im Augenblick des körperlichen Ablebens erklärt: Sauerstoffmangel und der Kollaps von Hemmungsmechanismen im Hirn stimulieren die neuronale Aktivität des visuellen Systems, was zur Wahrnehmung von Tunnel- und Lichterscheinungen führt; Stimulierung des limbischen Systems und die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Endorphinen im Hirn seien für die Erfahrung von Schmerzlosigkeit, Frieden, Liebe und Euphorie zuständig; ausserkörperliche Erfahrungen (fortan AKE), Lebensrückschau und Wahrnehmungen jenseitiger Landschaften sind neurologische Freisetzungen von Erinnerungen und Halluzinationen bzw. Depersonalisationsprozesse durch die Stimulation des Schläfenlappens (lobus temporalis). Skeptiker betonen zudem, dass NTE nichts über den Tod und mögliche Existenzformen danach aussagen, denn der zeitweilige „klinische Tod“ ist nicht mit dem endgültigen Tod (irreversibler Gewebetod) gleichzusetzen, die Betreffenden sind letztlich nicht gestorben. Die biologische Theorie geht indes gut mit der skeptischen psychologischen einher, dass NTE dem Wunsch des Menschen nach Unsterblichkeit entsprechen. (vgl. n/a 2009; Blackmore 1993, 2005; Blackmore/Troscianko 1988).

2) Die kulturhistorische Erklärung
Bei der Auseinandersetzung mit NTE schwingen oft universalistische Annahmen mit: Dass alle NTE gleiche oder ähnliche Elemente in gleicher oder ähnlicher Reihenfolge beinhalten: Während Biologen damit auf die universelle Funktionsweise des Hirns aufmerksam machen (Blackmore 1993, 2005), versuchen religiöse oder spirituell Motivierte „ihre“ Version des Jenseits als objektive Grösse über alle kulturellen Grenzen hinweg zu behaupten. Nach den Universalisten sollten sich also alle bekannten Berichte und Literatur über NTE auf einige essentielle Grundzüge herunterbrechen lassen: die ausserkörperliche Erfahrung des Soldaten Er in Platos „Politeia“, die Anleitungen im Tibetischen Totenbuch, die Jenseitsbeschreibungen des Stockholmer Naturwissenschaftler Emanuel Swedenborg im 17. Jh. (vgl. Woofenden 2009), indianische und melanesische Jenseitsreisen, bis hin zur Masse an westlichen Nahtodberichten im dritten Jahrtausend.

Kulturwissenschaftler wundern sich indes nicht, dass es unter Nahtod-Forschern bisher keine Einigkeit darüber gibt, welche Elemente als universell anzusehen sind. Denn die Inhalte der Berichte variieren teils deutlich, je nach Zeit und Ort. Bestimmte, für moderne westliche NTE typische Elemente wie AKE, Tunnelerfahrung und Lebensrückschau kommen in früheren NTE oder in zeitgenössischen NTE anderer Kulturen nicht oder nur marginal vor (Knoblauch 1999; Kellehear 1996). Andererseits stellen Kulturwissenschaftler durchaus auch Gemeinsamkeiten fest, beispielsweise in den Jenseitsvorstellungen antiker Kulturen, die viele der modernen NTE Elemente aufweisen – und von NTE inspiriert sein könnten (Shushan 2009). Früher wie heute scheint das Treffen verstorbener Verwandter oder übernatürlicher Wesen in anderen Daseinsbereichen sehr verbreitet zu sein. Diese jenseitigen Welten weisen grosse Ähnlichkeiten mit der Architektur, Mode und Sozialstruktur der bekannten Umgebung der Betreffenden auf; oft treten auch religiöse Wesen in Erscheinung, die in der betreffenden Kultur zu finden sind. Dies spricht dafür, dass NTE und Jenseitsvorstellungen seit jeher von kulturellen Faktoren durchdrungen sind. Für die westliche Moderne bedeutet dies, dass sich NTE-Berichte, Sterbeforschung und die postmoderne individualisierte Religiosität in einem Geflecht gegenseitiger Beeinflussung befinden (Shushan 2009; Corazza 2008; Athappilly et al. 2006; Knoblauch 1999; Kellehear 1996).

3) Die Überlebenstheorie
Biologisch-reduktionistische wie auch kulturhistorische Ansätze beantworten die Frage der Weiterexistenz des Bewusstseins nach dem körperlichen Ableben negativ oder gar nicht. Für die meisten Menschen mit NTE hingegen gibt es in dieser Hinsicht keinen Zweifel: Sie haben unmittelbar erlebt, dass der Tod nicht das Ende ihrer Existenz ist. Auch viele Forscher wie Elisabeth Kübler-Ross, Raymond Moody, Kenneth Ring und andere sehen in Nahtod-Elementen wie den erweiterten mentalen Prozessen, AKE und paranormalen Wahrnehmungen einen starken Hinweis, wenn nicht Beweis, für die Existenz des menschlichen Bewusstseins (Geist, Seele) ausserhalb des Körpers (vgl. Williams Cook et al. 1998).

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Szene aus der Hölle in Dantes "Göttlicher Komödie"

Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Harpy.jpg?uselang=fr

Die Überlebensthese ist nicht an eine spezifische religiöse oder spirituelle Tradition gebunden. Die Elemente der NTE werden oft – entgegen den Erwartungen der Betreffenden – als losgelöst vom eigenen religiösen Milieu empfunden (Moody 1975, vgl. Corazza 2008). Andererseits interpretieren die Betreffenden ihre Erfahrung häufig mit dem Vokabular der eigenen Religion. Für gläubige Christen beispielsweise beweisen NTE die Existenz von Himmel und Hölle, oder sie sehen in den positiv erlebten Lichterfahrungen Gott, Jesus oder – wie einige Kritiker es tun – das Werk des „Lichtbringers“ (Lucifer). (Rawlings 1987; vgl. Knoblauch 1999).
Die seit 2008 laufende AWARE-Studie (AWAreness during REsuscitation) will einen Nachweis für ausserkörperliche Erlebnisse erbringen: In britischen und amerikanischen Kliniken wurden auf Schränken und Apparaturen zur Decke gerichtete Symbole angebracht, die nur von oben gesehen werden können. Patienten müssten diese Symbole während AKE erkennen können. Erste Resultate sollen 2011 veröffentlicht werden (n/a 2010b)

4) Die mystisch-spirituelle Theorie
Auch ohne die Annahme eines Leib-Seele-Dualismus und der Überlebensthese, können NTE als spirituell relevante Erfahrungen gedeutet werden. Elemente wie die Erfahrung von Frieden, Liebe und Geborgensein, die Unbeschreiblichkeit der Erfahrung, die Präsenz einer grösseren Entität, die Transzendenz von Zeit und Raum, die Erfahrung eines hellen Lichts oder Lichtwesens – solche Aspekte ähneln den Beschreibungen von visionären Mystikern vieler Kulturen – mit dem offensichtlichen Unterschied, dass Betreffende von NTE diese mystischen Erfahrungen üblicherweise nicht gesucht haben (Grof/Halifax 1977; Zaleski 1993; Cressy 1994; Greyson 2006).

Die ekstatisch-entoptische Sicht
Die ekstatisch-entoptische Sicht, die ich vorschlage, verbindet Aspekte der genannten Theorien. Sie gründet in der mystischen Lehre des mir bekannten Sehers Nestor, hat eine biologische Dimension und unterstützt den Überlebens- wie auch den Kultur-Gedanken.

Nestors Lehre vom „Nabel“ und der Ekstase
Nestor berichtet von einer besonderen leuchtenden Kugel in der Leuchtstruktur, auf welche er sich in intensiven Bewusstseinszuständen bei tiefer Entspannung zubewegt. Er nennt diese Kugel „Nabel“, da in seiner Empfindung sein Bewusstsein mit dieser Kugel verbunden ist. Nestor ist der Auffassung, dass wir uns beim Verlassen des Körpers mit diesem Nabel vereinigen, beim Einschlafen und beim Sterben. Ein Seher versucht schon zu Lebzeiten, seinem Nabel so nahe wie möglich zu kommen (Tausin 2010).

Die Bewegung in Richtung der Kugel hängt für Nestor unmittelbar mit dem ekstatischen Ausströmen von Energie zusammen. Als Prickeln erfahren wir dieses Phänomen in berührenden Situationen bereits im Alltag immer wieder – in so bescheidenem Ausmass, dass wir keine visuelle Veränderung dabei feststellen (Tausin 2010a, 2007b). Gemäss Nestor erfahren wir beim Sterben denselben Prozess, nur in sehr viel grösserer Intensität: Was sich physiologisch als Überstimulierung des neuronalen Systems ausdrückt (vgl. n/a 2009) und von manchen als Austreten der Seele aus dem Körper verstanden wird, ist energetisch ein Ausströmen aller Lebensenergie aus dem Körper. Dieser Austritt der Energie bewirkt eine starke Wahrnehmungsveränderung, eine Vorwärtsbewegung innerhalb der Leuchtstruktur. Wie diese erfahren wird, hängt von der Offenheit und Klarheit eines Menschen ab: Ist er bewusst genug, erfährt er diesen Prozess als abstrakte Tunnel- und Lichtphänomene; je weniger bewusst er ist bzw. je länger der Prozess dauert (da der Energieschub abnimmt), desto bildlich-figurativer erscheinen die Phänomene, wobei sie die Formen des eigenen Lebensumfeldes annehmen. Dies entspricht einem durch Kultur geprägten träumenden Bewusstsein.

Diese Sicht des Todes stammt aus der mystischen Erfahrung Nestors, konkret aus der Arbeit mit bewusstseinsverändernden Praktiken und den damit zusammenhängenden Wahrnehmungen entoptischer Erscheinungen. Energierelevante Wahrnehmungveränderungen mit einer abstrakten bzw. Lichtphase, die allmählich in eine bildlich-figurative übergeht, werden ebenfalls aus anderen Kulturen und Traditionen berichtet, meist da, wo die Praktiken und Denksysteme schamanisch inspiriert sind. Der Anthropologe Gerardo Reichel-Dolmatoff beispielsweise unterscheidet die visuelle Wahrnehmung der Tukano-Schamanen (Amazonasgebiet) während Ayahuasca-Zeremonien in eine erste, abstrakte Phase und eine zweite, figurative Phase – beide werden von den Tukanos gedeutet und haben eine mythische und soziale Bedeutung (Reichel-Dolmatoff, 1975; 1978; vgl. Tausin 2010b). Dieselbe Reihenfolge lässt sich auch im Tibetischen Totenbuch finden, eine Anleitung, die die Sterbenden davor warnt, sich von den figurativen Bildern täuschen zu lassen und stattdessen dem klaren Licht zu folgen (Rinpoche 1996). Einige Archäologen wiederum versuchen die abstrakte paläolithische Höhlen- und Felskunst durch den Hinweis auf entoptische Phänomene zu erklären; Lewis-Williams/Dowson 1988 haben dazu ein neuropsychologisches Modell entwickelt, das genau diese Bewegung beschreibt und sowohl abstrakte wie bildliche Darstellungen einbeziehen vermag.

Die Wahrnehmungsabfolge von abstrakt zu figurativ lässt sich idealerweise als steil ansteigende Kurve (intensiver Energiestrom) beschreiben, die langsam absinkt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass alle Erfahrungen in intensiven veränderten Bewusstseinszuständen in dieser Reihenfolge ablaufen müssen. Denn Mystikerinnen oder Seher können je nach Aufmerksamkeit oder Ereignis abstrakte Klarheit gewinnen oder in figurative Träume fallen; und im Tibetischen Totenbuch hat die Seele auf jeder der immer bildlicher werdenden Stufen wieder die Möglichkeit, doch noch das reine Licht zu finden. Dies entspricht einigen Berichten von Menschen, bei denen die Reihenfolge während der NTE umgekehrt ist oder sich figurative und abstrakte Bilder abwechseln – z.B. das Auftauchen eines erlösenden Lichts in „Höllenvisionen“, vgl. Rawlings 1987).

 

Mouches volantes in NTE?

Sowohl in NTE wie auch beim erweiterten Sehen von Mouches volantes haben wir es mit intensiven individuellen subjektiven Erfahrungen zu tun, die Menschen sehr beeindrucken und nachhaltig verändern können (vgl. Tausin 2010a). Bei beiden Phänomenen führt die Subjektivität der Erfahrung dazu, dass die Gesellschaft teils mit Ablehnung, teils mit der wissenschaftlichen Erforschung von Teilaspekten reagiert. Und die Wahrnehmungsinhalte ähneln sich teilweise, was der mystischen Interpretation von NTE Raum gibt. In diesem Fall fragen wir, ob sich in NTE das wiederholt, was Mystiker und Seher in entoptischen Phänomenen wie Mouches volantes schon zu Lebzeiten beobachten. Ein Blick auf einzelne Elemente sollen diese Frage erhellen:

Abstrakte Formen – Kugeln und Röhren
Die typischen Formen der MV kommen in unterschiedlichen Elementen der NTE vor. Zum einen gibt es Beschreibungen von Faden- oder Röhrenstrukturen, wie z.B. in einer Beschreibung bei Rawlings 1987: Ein Mann „bewegte sich mit hoher Geschwindigkeit durch ein hell erleuchtetes Netz, das nach seiner Beschreibung wie „ein Gitter aus leuchtenden Seilen“ aussah. Als er anhielt, wurde die sprühende Leuchtkraft so intensiv, dass es ihn blendete und jeder Energie beraubte. Er fühlte weder Schmerzen noch etwas Unangenehmes. Dieses Gitter hatte ihn in eine Form jenseits von Zeit und Raum verwandelt.“ Ein weiteres Element ist die „psychische Nabelschnur“, die einer der Pioniere der NTE-Forschung, der Brite Robert Crookall, in den NTE-Berichten immer wieder feststellte: Betreffende erzählen von einem als elastisch empfundenen „Faden“ oder einer „Leine“, die zwischen ihnen und ihrem physischen Körper erschienen sei. Crookall weist dabei auf ähnliche Phänomene in der tibetischen Kultur und in Prediger 12, 5-7 („silberner Strick“/“Silberschnur“) hin. Seiner Ansicht nach verbindet diese Nabelschnur den physischen Körper mit dem Seelenkörper (Soul Body) (vgl. Steiger/Steiger 2003; n/a 2010a). Verbreitet ist die Erfahrung des Tunnels bzw. einer Röhre oder eines Korridors, durch den sich die Betreffenden bewegen. Ähnliches berichten die Seher über die Wahrnehmung der MV-Kugel „Nabel“, die sich ebenfalls am Ende einer Röhre befinden soll (Tausin 2010a). In der heutigen Nahtod-Forschung ist die Tunnelerfahrung ein umstrittenes Element, seitdem festgestellt wurde, dass es nicht in allen westlichen modernen Berichten vorkommt und in den Berichten aussereuropäischer und antiker Kulturen fast völlig fehlt. Zudem ist die Tunnelerfahrung auch Bestandteil von anderen veränderten Bewusstseinszuständen (so auch im bereits erwähnten neurophysiologischen Modell von Lewis-Williams/Dowson 1988), so dass einige Forscher den Tunnel nicht mehr als definierendes NTE Element betrachten. Allerdings muss bedacht werden, dass der Begriff „Tunnel“ ein modernes westliches Konzept ist, das es in anderen Kulturen so nicht gibt. Konzeptuelle Ähnlichkeiten mit dem Tunnel haben teilweise die Berichte von Pfaden, Flüssen, Kanälen oder der Dunkelheit, aus welcher ein Licht erstrahlt (Shushan 2009; Athappilly et al. 2006; Knoblauch 1999; Kellehear 1996). Dies geht mit der entoptisch-ekstatischen Sicht gut einher: Die Tunnelerfahrung wird je nach Bewusstheit des Betreffenden abstrakter oder figurativ und kulturell geprägt erlebt. Ich vermute aber, dass die abstrakte Tunnelerfahrung von einzelnen Menschen in allen Kulturen und zu allen Zeiten gemacht wurde. Das berühmte und im Zusammenhang mit Todesnähe-Erfahrung oft gezeigte Bild des niederländischen Malers Hieronymus Bosch (ca. 1450-1516) zeigt jedenfalls, dass die Tunnelerfahrung kein ausschliesslich postmodernes Phänomen ist.

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Hieronymus Bosch: Der Flug zum Himmel (1500-1504)

Das Bild von Bosch gibt uns weitere Hinweise auf die Beschaffenheit des Tunnels, die uns zur anderen MV-Form führen, den Kugeln. Boschs Tunnel ist in mehrere Segmente unterteilt. Dies entspricht vielen NTE-Berichten, wobei die Segmente bzw. Wände oft als Kugeln („kugelig“, „rund“ etc.) erfahren werden. Eine von Moody interviewte Person beschreibt z.B., wie sie sich in „einem aus konzentrischen Kreisen bestehenden Tunnel“ befand (Moody 1975). Anke Hachfeld, Sängerin der Pop-Band „Mila Mar“, beschreibt den Tunnel ihrer NTE als „erleuchtet von hellem Licht, räumlich begrenzt durch weiche, runde, schaumstoffartige Formen“ und dichtet: „Durch farbige weiche Kugeln bin ich geflogen“ (Anke n/a).

Auch ausserhalb dieser Röhre oder des Tunnels wird das Universum während NTE zuweilen als aus „konzentrischen Kugeln“ bestehend erlebt (McFetridge 2008). Einigen Aufschluss hierzu gibt die Forschung zu Orbs und Nahtoderfahrung (Williams 2007) – Orbs sind transparente leuchtende Kugeln auf Fotografien, die von Orbs-Anhängern oft als Seelen Verstorbener gedeutet werden (vgl. Tausin 2007, 2008): Kugelformen, leuchtend und farbig, werden in NTE-Berichten teils neben figurativen Wahrnehmungen von Gebäuden oder menschenähnlichen Wesen genannt. Lichtwesen werden oft als leuchtende, teils farbige und bewegliche Kugeln erfahren, teils verändern sie die Form zu anthropomorphen Gestalten. Manche berichten von „Millionen Lichtkugeln“ (Williams 2007).

 
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Auch der neue Körper, der erweiterte Fähigkeiten des Erkennens, Wahrnehmens und Bewegens aufweist, kann zwar als anthropomorph erlebt werden („Traumkörper“, vgl. Tausin 2010a) oder als rund bzw. als Ball oder Kugel („Gedankenkörper“, korrespondiert mit MV) – wobei die eine Form auch in die andere übergehen kann. Einige Betreffende erfahren sich selbst in eine Kugel gehüllt (vgl. Williams 2007; Rawlings 1987; Moody 1975).

Abblidung rechts: Leuchtkugeln im Jenseits? Szene aus dem Papyrus Anhai des Ägyptischen Totenbuchs: Die Mumie liegt auf der letzten Stufe der Himmelstreppe, ein Symbol für den Aufstieg der Seele. Sie betrachtet „die Tiefen des Weltraums, der durch acht weisse Scheiben auf blauem Grund versinnbildlicht ist.“ (Quelle: Champdor )

Dunkelheit und Licht
Dunkelheit und Licht sind ebenfalls Schlüsselelemente, die sowohl in den modernen NTE wie auch in den Jenseitsvorstellungen der antiken Kulturen beschrieben werden (Shushan 2009). Oft geht die Empfindung von Dunkelheit assoziativ mit dem Fallen der Seele und der Unterwelt/Hölle einher; Licht hingegen mit dem Aufsteigen und den himmlischen Sphären. Die beiden sind jedoch nicht voneinander getrennt: So kann in der Dunkelheit ein Licht erscheinen. Dieses Licht wird meist als klares, weisses Licht beschrieben, das nicht blendet und sich verstärkt, je mehr die Betreffenden sich ihm nähern.
Mouches volantes weisen ebenfalls eine Leuchtkraft auf, die je nach Nähe bzw. Konzentration oder Entspannung der Seherin oder des Sehers verschieden intensiv ist. Das Licht in den MV kann durch ekstatische Praktiken und eine Ekstase fördernde Lebensweise verstärkt werden (Tausin 2010a). Dunkelheit dagegen ist die Absenz von Licht im „Bild“. Diese Prozesse können von Sehern schon während dem Leben beobachtet werden, NTE scheinen hier eine Fortsetzung in intensiverem Ausmass zu sein. Menschen mit Nahtoderfahrung tendieren allerdings dazu, das Licht zu personalisieren als ein „Lichtwesen“ bzw. eine Gottheit. Zudem berichten sie davon, dass eine Art mentale und inhaltlich konkrete Kommunikation mit dem Licht stattgefunden habe. Beide Aspekte kommen im mystischen Sehen von Nestor nicht vor.

Die Bewegung (Zoomeffekt, Sprünge)
In intensiven Bewusstseinszuständen kann in der visuellen Wahrnehmung das passieren, was Nestor als „Zoomeffekt“ beschrieben hat: Man richtet die Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand, der dann allmählich oder sprunghaft näher kommt (bzw. das Bewusstsein bewegt sich augenblicklich zum Gegenstand hin). Das Gefühl des Zoomens kommt durch die Vorwärtsbewegung des Traum- oder Gedankenkörpers zustande. In NTE werden solche Bewegungen typischerweise beim Fliessen durch den Tunnel oder durch eine Dunkelheit auf ein helles Licht zu erfahren. Zuweilen erleben Betreffende diesen Effekt jedoch schon vorher, beim Sehen noch irdischer Dinge (vgl. Moody 1975), andere wiederum empfinden Kugeln, die auf sie zukommen (Jinny 2010). Lichtwesen in Form von Kugeln werden auch in ihrer Beweglichkeit wahrgenommen. Sie werden als „hüpfend“ oder „herumwirbelnd“ beschrieben (Williams 2007). Insgesamt zeigen diese Beispiele die grosse visuelle Beweglichkeit zwischen Beobachter und Beobachtetem, die auch beim erweiterten Sehen der Mouches volantes festgestellt wird.

 

Fazit

Die abstrakten Elemente von NTE weisen Parallelen zu entoptischen Phänomenen auf. Daher ist es möglich, dass solche Phänomene in Nahtodzuständen wahrgenommen werden. Entoptische Erscheinungen, darunter auch Mouches volantes, wurden physiologisch erklärt. In diesem Fall bedeutet dies, dass NTE durchaus eine biologische Dimension aufweisen. Falsch wäre es jedoch, diese als allein gültige zu betrachten. Denn physiologische Prozesse müssen nicht zwangsläufig Ursache von geistigen sein; sie könnten auch als deren Folge oder einfach als eine andere Ebene des Ausdrucks von Bewusstsein verstanden werden. Zwar ermöglicht uns ein physischer Körper in diesem Leben abstrakte visuelle subjektive Erscheinungen wahrzunehmen. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass diese Erscheinungen mit dem Tod des physischen Körpers verschwinden. Sie könnten auch ausserhalb des physischen Körpers bzw. durch die Wahrnehmung mit einem feinstofflicheren Körper (in Träumen, anderen veränderten Bewusstseinszuständen oder eben im Tod) in Erscheinung treten. Und NTE-Berichten zufolge tun sie dies in aller Deutlichkeit. Die Ähnlichkeit von so genannten Mouches volantes und einigen NTE-Elementen weist darauf hin, dass wir es bei den Kugeln und Fäden mit einem Bewusstseinsphänomen zu tun haben, das Gegenstand feinstofflicheren Wahrnehmung ist. Sie legt zudem nahe, dass es eine (visuelle subjektive) Kontinuität zwischen Leben und Tod gibt, was m. E. für die Überlebenshypothese spricht.

Für unsere gegenwärtige Existenz in einem physischen Körper können wir im Umkehrschluss festhalten, dass die Beobachtung von oder die Meditation über Mouches volantes bereits eine Art von Nahtoderfahrungen sind – so wie auch die Visionen von Mystikern als Nahtoderfahrungen verstanden werden können. Im Sinne des Tibetischen Totenbuches geht es Seherinnen und Sehern in solchen Zuständen darum, die Prozesse in ihrer abstrakten energetischen Konfiguration zu erkennen und von bildlichen und emotionalen Verstrickungen frei zu werden.

Über Floco Tausin

Der Name Floco Tausin ist ein Pseudonym. Der Autor studierte an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern und befasst sich in Theorie und Praxis mit der Erforschung subjektiver visueller Phänomene im Zusammenhang mit veränderten Bewusstseinszuständen und Bewusstseinsentwicklung. 2004 veröffentlichte er die mystische Geschichte „Mouches Volantes“ über die Lehre des im Schweizer Emmental lebenden Sehers Nestor und die spirituelle Bedeutung der Mouches volantes.

Angaben zum Buch: „Mouches Volantes – Die Leuchtstruktur des Bewusstseins“, Leuchtstruktur Verlag (Bern) 2010, Paperback, 376 Seiten, 24.90 € / 39.80 CHF, Genre: Belletristik/mystische Erzählung.

Bereits den alten Griechen bekannt, von heutigen Augenärzten als harmlose Glaskörpertrübung betrachtet und für viele Betroffene ärgerlich: Mouches volantes, Punkte und Fäden, die in unserem Blickfeld schwimmen und bei hellen Lichtverhältnissen sichtbar werden.

Die Erkenntnis eines im schweizerischen Emmental lebenden Sehers stellt die heutige Ansicht radikal in Frage: Mouches volantes sind erste Teile einer durch unser Bewusstsein gebildeten Leuchtstruktur. Das Eingehen in diese erlaubt dem Seher, über den Tod hinaus bewusst zu bleiben.

Mouches volantes: Glaskörpertrübung oder Bewusstseinsstruktur? Eine mystische Geschichte über die nahe (f)liegendste Sache der Welt.

 

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